KI-Chatbots verstärken problematischen Medienkonsum bei Kindern und Jugendlichen
Eine aktuelle Längsschnittstudie der DAK-Gesundheit und des Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf zeigt, dass KI-Chatbots zunehmend Einfluss auf das Medienverhalten von Kindern und Jugendlichen in Deutschland nehmen. Neben Gaming, Social Media und Streaming gelten sie inzwischen als weiterer Risikofaktor für problematischen Medienkonsum.
Chatbots als emotionaler Ersatz
Die Untersuchung macht deutlich, dass ein Teil der Minderjährigen KI-Anwendungen gezielt nutzt, um mit Einsamkeit oder negativen Gefühlen umzugehen. Besonders auffällig ist dabei der Unterschied zwischen psychisch belasteten und unbelasteten Jugendlichen: Während insgesamt knapp acht Prozent Chatbots zur emotionalen Unterstützung verwenden, liegt der Anteil bei Jugendlichen mit depressiven Symptomen bei über 30 Prozent. Viele von ihnen teilen persönliche Gedanken mit den Anwendungen oder empfinden diese als verständnisvoller als reale Bezugspersonen. Fachleute sehen darin die Entstehung sogenannter parasozialer Beziehungen, die problematische Nutzungsmuster verstärken können.
Mediensucht bleibt weit verbreitet
Insgesamt bleibt der problematische Medienkonsum auf einem hohen Niveau. Rund jedes vierte Kind zeigt ein riskantes Verhalten im Umgang mit sozialen Medien, was etwa 1,5 Millionen Betroffenen in Deutschland entspricht. Auch die Zahl der Jugendlichen mit suchtähnlichen Mustern ist zuletzt gestiegen. Gleichzeitig nimmt die intensive Nutzung von Streaming-Angeboten deutlich zu.
Hohes Vertrauen in KI-Anwendungen
Ein weiterer Befund der Studie ist das große Vertrauen, das viele Kinder und Jugendliche in KI-Chatbots setzen. Die Mehrheit hält deren Aussagen zumindest teilweise für verlässlich, ein erheblicher Anteil sogar häufig oder sehr häufig. Dabei werden die Anwendungen nicht nur zur Unterhaltung genutzt, sondern auch für schulische Zwecke wie Hausaufgaben oder zur Informationsbeschaffung.
Forderung nach Regulierung und Aufklärung
Expertinnen und Experten warnen vor den Risiken dieser Entwicklung. Sie betonen, dass KI-Chatbots durch ihre menschenähnliche Kommunikation intensive Nutzungsmuster fördern können und Risiken im Bereich Datenschutz und Einflussnahme bestehen. Daher werden strengere gesetzliche Regelungen sowie eine altersgerechte Gestaltung der Systeme gefordert.
Medienkompetenz als Schlüssel
Neben politischen Maßnahmen wird die Bedeutung von Medienkompetenz hervorgehoben. Kinder und Jugendliche sollen früh lernen, digitale Inhalte kritisch zu hinterfragen und verantwortungsvoll zu nutzen. Auch Eltern spielen dabei eine zentrale Rolle, indem sie Orientierung geben und Regeln für die Mediennutzung aufstellen.
Quelle: DAK-Suchtstudie untersucht Jugendtrend: KI-Chatbots erhöhen riskanten Medienkonsum